Symposium

Die GTF veranstaltet seit 1988 jährlich bzw. zweijährlich Symposien. Diese werden möglichst mit anderen Tanzinstitutionen oder -verbänden konzipiert und organisiert. Die Themen der Symposien sind interdisziplinär und dienen einem breiten Austausch aller in Tanz und Tanzforschung Tätigen. Die Symposien behandeln Leitthemen, die meist in den Arbeitskreisen/Interessensnetzwerken im Hinblick auf historische, künstlerische, therapeutische, pädagogische, soziale, ethnologische etc. Themenstellungen vorbereitet werden.

 

Das nächste Symposium:

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13.-16. Okt. 2005 Symposium in Bern (Schweiz):

e-motion in motion

„Art is the objectification of feeling" Suzanne Langer


„Die Lust am Text, das ist jener Moment, wo mein Körper seinen eigenen Ideen folgt – denn mein Körper hat nicht immer dieselben Ideen wie ich." Roland Barthes

Stichworte zu einem Tagungskonzept:


Sind Emotion und Gefühl zwei Worte für die gleiche Angelegenheit? Und was hat das Pathos mit diesen Begriffen zu tun, was Empathie und Katharsis? Schon seit Jahrtausenden hat Theater mit Emotionen und mit den ihnen verbundenen Verkörperungen und Darstellungen zu tun. – Was aber mach das Thema heute wieder so aktuell?

I
Sind auch Emotionen Moden unterworfen? Sind wir heute noch melancholisch? Teilen wir „Die Leiden des jungen Werther", die einst Scharen juger Menschen bis in den Tod trieben? Wo ist die Scham und wo das Gemüt und die Verzückung geblieben? – Sind sie alle nur dem einen und einzigen grossen Begehren nach der käuflichen Seite der Welt gewichen? Oder sind es die neuen Medien, die unsere Emotionen steuern, oder ist es beides zusammen?


II
Und wie seht es mit der akademischen Welt? Sind Wissenschaft und Emotionen durch unüberbrückbare Gräben voneinander getrennt? Nachdem seit Ende der 90er Jahre neuere Ergebnisse der Hirnforschung die Bedeutung der Emotion in einen erweiterten Kontext stellen und ihr eine wesentliche Rolle bei der Ausbildung von Bewußtsein zusweisen, werden die Stellungen der Wissenschaften zu ihnen neu überdacht. Den Herausforderungen dieser Erkenntnisse sollten sich die Kulturwissenschaften und somit auch die Tanzwissenschaft stellen.
So fragen wir auf dieser Tagung nach dem Effekt oder der psychischen Funktion all dessen, was wir am Tanz analysieren, nach der Bedeutung von Ängsten, Ekel, Langeweile, Begehren, Lust und Melancholie etc. für Choreographen, und Dramaturgen, für Tänzer und Zuschauer. Damit verbunden ist die Frage nach intendierter und tatsächlicher emotionaler Wirkung und den künstlerischen aber auch den therapeutischen und pädagogischen Mitteln, die diese Effekte im und mit Tanz hervorrufen.
Den oben erwähnten neurowissenschaftlichen Forschungen kann entnommen werden, dass unser Gehirn auditive und visuelle Eindrücke kognitiv und affektiv zugleich verarbeitet, der affektive Vorgang aber schneller erfolgt. Auch eine erste Reaktion auf eine Tanzaufführung, oder auf am eigenen Körper erfahrenen Tanz ist demnach primär emotional geprägt und stellt Weichen für die intellektuelle Verarbeitung. So gesehen ist auch die Frage nach der Prägung ästhetischer Werturteile zu reflektieren.

III
Auf der anderen Seite aber grassiert in unserer Gesellschaft eine wachsende Gefühlsarmut oder Gefühlsblindheit (Alexithymie). Die Tanzkritik meint hie und da, es sei bloss der modische Gestus der Beziehungslosigkeit (so Wiebke Hüster in ihrer Rezension von Impromptus von Sasha Waltz in der FAZ vom 20.04.04). In diesem Zusammenhang ist auch die Frage danach zu behandeln, inwieweit Gefühle wandelbar sind und wie diese – oder jedenfalls ihr Aufzeigen und Wegstecken - historisch und kulturell determiniert sind.

IV
Der Umgang mit Emotionen war, ist und bleibt ein heikles Thema, denn wie Gefühle eingeschätzt und wie mit ihnen umgegangen wird, wie sie bewertet, aktiviert und diszipliniert werden, kann zu einer Quelle des Glücks aber auch des katastrophalen Ernstfalls werden.



Literatur:
Austen, Jane: Verstand und Gefühl (1811), München 2000 (Das Buch wurde unter dem dt. Titel Sinn und Sinnlichkeit von Ang Lee 1995 in den USA verfilmt)
Barthes, Roland: Die Lust am Text, Frankfurt 1974.
Berkemer, Georg: Das Herz im Kulturvergleich, Berlin 1996.
Csikszenmihalyi, Mihaly: „Leseglück als Flow-Erlebnis", in: Alfred Bellebaum/Ludwig Muth: Leseglück. Eine vergessene Erfahrung, Opladen 1996 (Tagungsband des Instituts für Glücksforschung) Hier wird das Flow-Erlebnis als höchste Form von emotionaler Intelligenz vorgestellt.
Damasio, Antonio R.: Ich fühle, also bin ich. Die Entschlüsselung des Bewusstseins, Berlin 2002.
Damasio, Antonio R.: Der Spinoza-Effekt. Wie Gefühle unser Leben bestimmen. München 2003
Dörner, Dietrich: Bauplan für eine Seele, Hamburg 1999 [Kognitionspsychologe und Computerwissenschaftler]
Elias, Norbert, Über den Prozess der Zivilisation, Frankfurt 1997 [hier wird eine affektkontrollierte Psyche als Resultat des Zivilisationsprozesses dargestellt]
Felix, Zdenek: Emotion. Junge britische und amerikanische Kunst. Hamburg 1998
Felix, Zdenek: Vom Eindruck zum Ausdruck, ...............
Flaubert, Auguste: Die Erziehung des Gefühls (1869), Zürich 1971
Fox Keller, Evelyn: Liebe, Macht und Erkenntnis. Männliche und weibliche Wissenschaft? Frankfurt 1998.
Golemann, Daniel: Emotionale Intelligenz, München 1996. [Neurophysiolog. Sichtweise/Motto: Sklaven der Leidenschaft]
Habermas, Jürgen: Vom sinnlichen Eindruck zum symbolischen Ausdruck, Frankfurt 1997.
Keitel, Evelyne: Von den Gefühlen beim Lesen. Zur Lektüre amerikanischer Gegenwartsliteratur. Munchen 1996 [an Lacan orientiert].
Klein, Stefan: Die Glücksformel, Berln 2003.
Kolesch, Doris (Habil.): Inszenierung von Emotion (in Vorbereitung)
Krebs, Jan-Daniel: Die Affekte und ihre Repräsentation in der deutschen Literatur der Frühen Neuzeit, München 1996.
Langer, Suzanne: Mind, an Essay on Human Feeling. Vol. 1, 1967.
Ledoux Joseph: Das Netz der Gefühle. Wie Emotionen entstehen, Wien 1998 [Neurophysiolog. Sichtweise].
Meier-Seethaler, Carola: Gefühl und Urteilskraft. Ein Plädoyer für emotionale Vernunft 1997.
Pinker, Steven: Das unbeschriebene Blatt. Berlin 2002.
Weibel, Peter (Hg.): Phantom der Lust. Visionen des Masochismus. Essays und Texte (2 Bde.), Belleville 2003.
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Spiegel special: Die Entschlüsselung des Gehirns November 2003.
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e-motion ist auch der Titel des vierteljährlich erscheinenden Magazins der
Association for Dance Movement Therapy UK

Paralelle Diskussionen:


Neue Hirnforschung, zusammengefasst z.B. von Damasio
Diskussion von Colemann etc.: Rezeption in der Literaturwissenschaft
Diskussion von Dörner etc. in den Medienwissenschaften
Kuratorentätigkeit / Kunstwissenschaft:
Sensation / Royal Academy, London 1997
Ausstellung in Berlin (evtl.schon1998 oder auch 1999)
Ausstellungen in Hamburg:
1999 Emotion – Junge Britische und Amerikanische Kunst aus der Sammlung Goetz. (Kurator: Zdenek Felix)
2001 Vom Eindruck zum Ausdruck. (Kurator: Zdenek Felix, Katalogtexte: Veit Loers, Rudolf Schmitz u. Nina Möntmann )
Love/Hate [Pathosformen in der neuen Kunst]; Kurator: Dr. Gerald Matt, Kunsthalle Wien 2003. Mit Arbeiten von: Samuel Beckett, Katia Bourdarel, Philip-Lorca diCorcia, John Hilliard, Runa Islam, Isaac Julien, Tadeusz Kantor, Elke Krystufek, Ursula Mayer, Bruce Nauman, Chloe Piene, Arnulf Rainer, Markus Schinwald, Tany
Emotion in Motion / Basel (Beküssung eines Raumes...die Arbeit existiert auch als Video) von Nezaket Ekici