TANZerfahrung und WELTerkenntnis
Symposium 2011 der Gesellschaft für Tanzforschung
in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tanzarchiv Köln sowie dem Zentrum für Zeitgenössischen Tanz der Hochschule für Musik und Tanz Köln
14.-16. Oktober 2011
Cogito ergo sum – „Ich denke, also bin ich“, war die Formel, mit der René Descartes vor über 350 Jahren die (westliche) Erkenntnis von Welt entscheidend verändert hatte. Sollte aber die Seinsweise des Menschen nicht vielmehr „Ich tanze, also bin ich“ heißen? Denn die Fähigkeit des Menschen zur Selbst- und Welterkenntnis ist in hohem Maße an seine Leiblichkeit gebunden, d.h. sie entsteht über die eigene Körpererfahrung und Bewegung, desweiteren über die (getanzte) Kommunikation mit anderen Körpern.
Der von Descartes zugespitzt formulierte Grundsatz hatte in der Folge Auswirkungen auf das gesamte westliche Menschenbild und die Auffassung über seine Erkenntnisfähigkeit: Alle Wahrnehmung erschien rational geprägt. Die Welt entstand im Kopf und der Körper wurde als notwendiges Übel betrachtet. Doch immer wieder regte sich Widerstand gegen diese Sichtweise, und immer wieder war es der tanzende Körper, in dem sich Selbst- und Welterkenntnis manifestierten: Vom Höfischen Tanz der Barockära über die phantastischen Gegenwelten der Romantischen Ballette, die Lebens- und Tanzreformen um 1900 und im Umfeld der 68er bis hin zu den vielfältigen Ausdrucksformen heutiger Jugendkulturen und der zeitgenössischen Tanzkunst. Nicht zuletzt werden die Wechselbeziehungen zwischen Leiblichkeit und Kognition und die Frage der funktionalen Verankerung der Erkenntnis innerhalb des „brain-body-environment“-Systems derzeit von verschiedenen Wissenschaftszweigen untersucht.
Die Jahrestagung der GTF wird sich vom 14.-16. Oktober 2011 in Köln den vielfältigen und vielschichtigen Fragen rund um dieses Wechselspiel von Tanzerfahrung und Welterkenntnis widmen. Durch vier einführende Hauptvorträge und in interdisziplinär besetzten Foren (thematische Arbeitskreise mit Einzelreferaten, Gesprächsrunden, Poster-Präsentationen) sowie Lecture Demonstrations und Workshops möchten wir fruchtbare Gelegenheiten des fachlichen Austausches schaffen.
Das Tagungskonzept orientiert sich an folgenden Themen-Strängen: |