Gesellschaft für Tanzforschung
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  • Symposium 2017 "Tanz – Diversität – Inklusion"

    (c) Tina Stolt

GTF-Symposium „Tanz-Diversität-Inklusion“ an der TU Dortmund

(c) Tina Stolt

Vom 27.-29. Oktober 2017 fand mit dem diesjährigen GTF-Symposium an der TU Dortmund die erste Tagung in Deutschland statt, bei der die Themen Diversität und Inklusion explizit in den Kontext tanzwissenschaftlicher Forschung gestellt worden sind.

Entsprechend groß war die Resonanz, die sich in den insgesamt 24 Vorträgen, Lecture Demonstrations, Workshops sowie einer Posterausstellung wiederspiegelte. Referent*innen und Künstler*innen mit und ohne Behinderung stellten ihre wissenschaftlichen und künstlerischen Forschungsarbeiten vor. Ausgerichtet wurde das dreitägige Symposium in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet Musik und Bewegung in Rehabilitation und Pädagogik bei Behinderung der Fakultät Rehabilitationswissenschaften der TU Dortmund. Studierende des Seminars „Tanzen inklusiv“ der Fakultät Rehabilitationswissenschaften haben mit ihrem großen Engagement maßgeblich dazu beigetragen, dass die Tagung erfolgreich durchgeführt werden konnte.

Mit dem Symposium wurde eine Plattform geschaffen, auf der die vielfältigen tanzwissenschaftlichen Perspektiven auf das Thema „Tanz-Diversität-Inklusion“ sichtbar gemacht und in einen fruchtbaren Austausch gebracht werden konnten. (Das Tagungsprogramm finden Sie hier).

Die Beteiligung von Vertreter*innen professionell agierender mixed-abled Tanzcompanien wie DIN A13 ( Gerda König, Köln), das europäische Kulturprojekt Un-label - Neue inklusive Wege für die darstellenden Künste (Lisette Reuter, Wagner Moreira), die Ich bin o.K. Dance Company aus Wien (Maria Dinold, Helga Neira, Hanna und Attila Zanin, Simon, Johanna), oder das Tanzensemble ArtRose (Jenny Coogan, Dresden) sowie Vertreter*innen spezifischer inklusiver Tanzvermittlungsmethoden wie Bea Remark (DanceAbility), Bernhard Richarz und Evelyn Wohlfarter (tanzfähig- mehr körperliche Vielfalt im zeitgenössischen Tanz, Berlin) oder Bronislav Roznov (multify identity) ermöglichte im Sinne von best-practice-Modellen spannende und die Forschung anregende Einblicke in Gelingensbedingungen ebenso wie in die Herausforderungen inklusiver tanzkünstlerischer Praxis.

Eröffnet wurde die Veranstaltung am Freitagnachmittag mit den Grußworten der Prorektorin Diversitätsmanagement der TU Dortmund, Professorin Barbara Welzel, sowie durch den Dekan der Fakultät Rehabilitationswissenschaften, Professor Franz Wember. Danach begrüßte die erste Vorsitzende der Gesellschaften für Tanzforschung, Margrit Bischof, sowie Vertretungsprofessorin Susanne Quinten als Leiterin der Tagung die zahlreichen Gäste aus dem In- und Ausland im Internationalen Begegnungszentrum der TU Dortmund. Als Keynote-Speaker war Professor Eckhart Liebau eingeladen, Vorsitzender des Rats für Kulturelle Bildung sowie Inhaber des UNESCO-Chair in Arts and Culture in Education an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seinen Vortrag zum Thema „Kultur leben: Die Leistung der Künste für Teilhabe und Integration“ konnte er krankheitsbedingt nicht selbst halten. Stattdessen wurde der Vortragstext von Frau Christiana Rosenberg, stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft für Tanzforschung, vorgelesen. Eine der zentralen Botschaften lautete, dass nur das Vermögen, mit Differenzen in der Gesellschaft leben zu können, eine menschenverträgliche Aussicht bietet. In dem daran anschließenden Vortrag stellte Susanne Quinten mit der „Verkörperten Teilhabe“ ihren aktuellen Forschungsschwerpunkt vor und zeigte auf, wie dieser in (tanz)künstlerischen Kontexten im Hinblick auf Inklusion fruchtbar gemacht werden kann. Den Abschluss der Hauptvorträge am Freitag bildete ein praxisbezogener Vortrag der Wiener Forschungsgruppe um Maria Dinold zum Thema „Inklusive Tanzerfahrungen“. Nach diesen ersten drei Vorträgen fand die Mitgliederversammlung der Gesellschaft für Tanzforschung statt. Bei dem abschließenden Buffet im Internationalen Begegnungszentrum hatten die Tagungsgäste dann Zeit zum intensiven fachlichen und kollegialen Austausch.

An den beiden folgenden Tagen wurden viele unterschiedliche Aspekte des Tagungsthemas in wissenschaftlichen Vorträgen und praktischen Workshops aufgegriffen und diskutiert. Die Bandbreite der Forschungsthemen reichte von inklusiver Tanzarbeit in Schule und Hochschule über Fragen zur inklusiven tanzkünstlerischen Arbeit mit Menschen verschiedenster Merkmale und Herkunft (z.B. Menschen mit Migrationshintergrund, alte Menschen, geistig behinderte Menschen), über inklusive Vermittlungsmethoden (wie z.B. polyästhetische Zugänge) bis hin zu theoretischen Ansätzen, in denen unterschiedlichste wissenschaftliche Theorien in Zusammenhang mit inklusivem Tanz gebracht wurden (z.B. Disability Studies, feministische Theorien). 

Das inklusive Tanz- und Bewegungstheaterensemble „Windspieler“ aus Dortmund, in dem auch ehemalige Studierende des Fachgebietes Musik und Bewegung der TU Dortmund mitwirken, zeigte am Samstagabend die Aufführung „Heimatspuren“. Auch diese Aufführung machte wie viele Vorträge der Tagung deutlich, dass Vielfalt sowohl künstlerische Schaffensprozesse bereichern kann, als auch eine große Chance darstellt, eigene vertraute Wahrnehmungsmuster in Frage zu stellen und einen gesellschaftlichen Bewusstseinswandel hin zu mehr Wertschätzung von Vielfalt anzuregen.

Wie üblich werden in dem nächsten Jahrbuch der Gesellschaft für Tanzforschung, das im Herbst 2018 im transcript Verlag erscheint, Beiträge dieser Tagung sowie weitere zum Tagungsthema passende Publikationen veröffentlicht. Außerdem ist aufgrund der großen Resonanz geplant, die Tagungsthematik in Form einer Projektgruppe weiter zu führen und die bestehenden internationalen Vernetzungen weiter auszubauen. Ein erstes Treffen der Projektgruppe ist am 6./7. Juli 2018 an der TU Dortmund geplant.

Interessent*innen für die Mitarbeit in der Projektgruppe „Tanz-Diversität-Inklusion“ melden sich bitte bei Susanne Quinten, TU Dortmund. (Susanne.quinten(at)tu-dortmund.de). 

Gabriele Postuwka, Susanne Quinten, Christiana Rosenberg