Gesellschaft für Tanzforschung
Wir schaffen Begegnung!

Preisträgerinnen gtf Forschungspreis 2025

In diesem Jahr hat die Gesellschaft für Tanzforschung den Forschungspreis 2025 für akademische Abschlussarbeiten im Tanz zweimal vergeben. Die Preisträgerinnen sind Valeria Chávez Chong für ihre Bachelor-Arbeit „(Re)Building Identity through Dance: A Research on the Evolution of Marinera in Retablo de Fiestas Patrias (2018)“ und Annika Kühn für ihre Masterarbeit „Tanz als politische Praxis. Bewegte Zwischenräume“. Die feierliche Preisverleihung übernahmen die Laudatorinnen Marianne Bäcker und Dr. Claudia Fleischle-Braun im Rahmen des 2025er Wiener gtf-Symposiums  „Dance Resonance – Artistic Attunement in Motion“ am 27.09.2025 im Neuen Konzertsaal der Räumlichkeiten am Rennweg 8 der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien (mdw).

Zur Bachelor-Arbeit von Valeria Chávez Chong

“(Re)Building Identity through Dance: A Research on the Evolution of Marinera in Retablo de Fiestas Patrias (2018)”

Eingereicht am 12.08.2024 zur Erlangung des akademischen Grades Bachelor of Arts (BA) im Fach Zeitgenössischer und Klassischer Tanz im Studiengang Tanz der Fakultät Darstellende Kunst der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien.
Fachbetreuung durch Univ.-Prof.in Christina Medina und Univ.-Prof. Dr. Eike Wittrock, Wien.

Die Studie von Valeria Chávez Chong widmet sich der Darstellung der Forschungsergebnisse zur kulturgeschichtlichen Entwicklung und Verbreitung der Marinera und geht insbesondere der Frage nach, wie dieser peruanische Volkstanz in der postkolonialen Epoche zu einem besonderen nationalen identitätsstiftenden Symbol geworden war. Dabei wird von der Autorin aufgezeigt, wie sich in der Marinera mit ihren spanischen wie auch afrikanischen und indigenen Wurzeln beispielhaft ein Austausch zwischen Kulturen zeigt, und dass der Tanz heute als ein zentrales Element der peruanischen Identität gilt. In diesem Tanz spiegeln sich somit auch die Gefühle und die Arbeit von Schwarzen, Indigenen und Mestizen wider. Damit zeichnet die Forschungsarbeit von Valeria Chávez Chong die charakteristischen ästhetischen und performativen Aspekte des Tanzes und die wesentlichen multikulturellen Wurzeln und Verwandtschaften der Musik- und Tanzformen der Marinera nach, welche nicht zuletzt auch soziale Klassen überschritten hatten. Die Marinera fand aufgrund ihrer sozialen Bedeutung in Peru und anderen Teilen des südamerikanischen Kontinents weite Verbreitung. Die von der Autorin vorgenommene Analyse der Einbettung und Rolle dieser Tanzform in der professionellen Bühnen-Gala-Aufführung “Retablo de Fiestas Patrias” (2018) im Rahmen der nationalen Feierlichkeiten verdeutlichen ebenfalls die Verbindungen verschiedener Phasen der Marinera-Praxis mit den jeweiligen historischen und soziokulturellen Hintergründen, welche die Entwicklung und Neudefinition einer peruanischen Identität mitgeprägt haben. Aus den begeisterten Publikumsreaktionen wird darüber hinaus erkennbar, wie stark sich das Publikum mit der gezeigten Volkstanzkultur identifiziert hat, die bei dieser Aufführung des Ballet Folclórico Nacional als nationale peruanische Identität dargestellt und präsentiert wird. Dank der Werke peruanischer Künstler*innen und der staatlich geförderten Tanzkompanien werden derartige choreografisch bearbeiteten Folklore-Tänze verstärkt auf nationalen und internationalen Bühnen dargeboten. Valeria Chávez Chong diskutiert am Beispiel der Marinera auch, wie in Volkstänzen ethnische und geschlechtsspezifische Rollen transportiert und ggf. transformiert werden können, wenn sich gesellschaftliche Einstellungen gewandelt haben und Menschen sich nicht mehr mit diesen identifizieren können. In diesem Zusammenhang verweist die Verfasserin darauf, dass die Konfiguration der Marinera von heute nicht mehr dieselbe ist und die gleiche Sinnbedeutung besitzt wie diejenige, die beispielsweise in Gemälden von Pancho Fierro (1836/37) oder Camilo Blas (1938) zu sehen ist, sondern jene hat sich gewandelt, verändert, weiterentwickelt und in vielen weiteren Stilen und Ausprägungsformen vervielfältigt, die zwischenzeitlich in ganz Peru Verbreitung gefunden haben. Somit gibt die Forschungsarbeit von Valeria Chávez Chong nicht nur einen fundierten Einblick in die Entwicklung und Ausdeutung der peruanischen Volkstanzkultur, sondern sie greift generelle und latente Fragen auf, die sich im Umgang mit Volkstanztraditionen oder Tanzformen auftun, die sich auf Traditionen oder ihr spezifisches Tanzerbe berufen.

Zum Lesen der kompletten Arbeit wenden Sie sich an info(at)gtf-tanzforschung.de

Zur Masterarbeit von Annika Kühn

„Tanz als politische Praxis. Bewegte Zwischenräume“

Eingereicht am 09.01.2025 zur Erlangung des akademischen Grades Master of Arts (MA) im Studiengang Soziokulturelle Studien (MASS) der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder).
Fachbetreuung und Begutachtung durch Prof. Dr. Stephan Lanz und PD Dr. Estella Schindel, Frankfurt (Oder).

Die Studie „Tanz als politische Praxis. Bewegte Zwischenräume“ von Annika Kühn untersucht anhand von sechs explorativen Interviews die politischen Dimensionen von Tanz und Bewegung. Im Fokus stehen Fragen nach Freiheit, Menschenwürde und der Rolle von Tanz als Ausdruck politischer Haltungen. Die Interviewten nutzen Bewegung als non-verbale Kommunikationsform, um gesellschaftliche Begrenzungen zu überwinden, Räume neu zu gestalten und kollektive Erfahrungen zu verarbeiten.

Verortet an der Schnittstelle von Tanz-, Kultur- und Sozialwissenschaften, Stadtforschung und politischer Theorie basiert die Arbeit auf einem machtkritischen Wissenschaftsverständnis. Theoretisch gestützt wird sie durch die Feministische Standpunkttheorie nach Sandra Harding, bell hooks' Konzept des Widerstandsraums, Judith Butlers Verständnis von Performativität, Hannah Arendts Freiheitsbegriff sowie affekt- und raumtheoretische Perspektiven von Jürgen Hasse und Johanna Rolshoven.

In ihrer Studie arbeitet Annika Kühn mittels der konstruktivistischen Grounded Theory nach Kathy  Charmatz.

Die Ergebnisse zeigen: Tanz und Bewegung schaffen atmosphärisch und affektiv wirksame Zwischenräume, in denen sich Freiheit, Transformation und Menschenwürde verkörpern. Diese Praktiken artikulieren politische Haltungen leiblich-affektiv und ermöglichen marginalisierten Menschen Selbstermächtigung, Teilhabe und Hoffnung. Die entstehenden Räume fungieren als dynamische, pluralistische „Safer Spaces“, in denen soziale und politische Veränderungsprozesse initiiert werden. Tanz und Bewegung können körperliche und geistig-seelische Integrität situativ im Miteinander fördern und in Krisenzeiten unterstützend wirken. Sie lassen sich als Mikropraktiken mit einem produktiven Machtverständnis begreifen, die politische Wahrheiten von Pluralität und Simultanität leiblich und atmosphärisch erfahrbar machen. Freiheit und Menschenwürde existieren in diesen transformativen, bewegten Zwischenräumen situativ – zwischen ihrer Nicht-Existenz und ihrer bedingungslosen Existenz – und können über Menschlichkeit realisiert werden.

Frau Kühn leistet mit ihrer Arbeit einen wertvollen Beitrag zu Fragen rund um Körper, Leib, Affekte, Raum, Widerstand, Empowerment und Gemeinschaft aus postmigrantischen und feministischen Perspektiven. Die Studie zeugt von einem hohen Maß an Eigeninitiative und kritischem Reflexionsvermögen und weist eine hohe aktuelle Relevanz für die Tanzforschung auf.

Zum Lesen der kompletten Arbeit wenden Sie sich an info(at)gtf-tanzforschung.de

Preisträgerin gtf Forschungspreis 2024


Zum sechsten Mal vergab eine dreiköpfige Jury den Forschungspreis der gtf für die beste Abschlussarbeit im Bereich Tanz und Tanzforschung. Die Übergabe erfolgte auf dem diesjährigen Symposium an der Folkwang Universität der Künste.

Es gab 2024 fünf Einreichungen zur Auswahl, unter denen Margrit Bischof, Sabine Karoß und Christiana Rosenberg-Ahlhaus die Gewinnerin auslobten. Alle fünf Arbeiten behandelten spannende Themen der Tanzforschung aus ganz unterschiedlichen Bereichen.

Nach eingehender Diskussion entschied sich die Jury für eine Masterarbeit, die ein Phänomen behandelt, das besonders im klassischen Tanzthematisiert wird, aber auch in anderen Kunstformen zu finden ist: Es geht um Schwerelosigkeit.

Die Verfasserin dieser Arbeit ist Jaska Gering, die ihre Masterarbeit an der Universität Hildesheim im Bereich Kulturwissenschaften geschrieben hat. Gutachterinnen waren Prof. Dr. Annemarie Matzke und Dr. Anna Wieczorek.

Bei der ausgewählten Arbeit handelt es sich um eine Aufführungsanalyse eines Stückes von Florentina Holzinger. Das Stück heißt „Tanz. Eine sylphidische Träumerei in Stunts.“ Es geht darin um Versuche („Stunts“), die Schwerkraft tanzend zu überwinden und den Eindruck des Fliegens zu erzeugen. Verhandelt werden dabei die körperliche Disziplin, die Schmerzen und das strenge Training, die benötigt werden, um diesen Eindruck zu erzeugen.

Die Verfasserin der Arbeit analysiert die in dieser Inszenierung behandelten (Tanz)Techniken, die den Eindruck von Schwerelosigkeit erzeugen können. Während im klassischen Ballett die Illusion der Schwerelosigkeit durch das Tanzen im Spitzenschuh und Hebungen erzeugt werden soll, zeigt Holzinger dem Publikum schonungslos, wieviel Körpertechnik und Anstrengung hinter der Herstellung dieser Illusion stecken kann. In direkter Gegenüberstellung zum Spitzentanzwählt Holzinger dann Techniken wie „Hair Hanging“ oder das „Aufhängen des Körpers an in die Haut eingeführten Haken“, um eine ganz andere Art der Illusion von Schwerelosigkeit zu erzeugen.

In den Augen der Autorin (und der Choreografin?) wird Schwerelosigkeit als abstraktes Ideal dargestellt, das in seiner Perfektion unerreichbar ist.

Überzeugt hat die Arbeit durch ihre Originalität, ihre gründliche Recherche sowie die differenzierte Analyse des Stückes. Jaska Gering lässt nicht locker: die Illusion der Schwerelosigkeit wird - über das Stück hinausgehend - in allen Facetten betrachtet und diskutiert. Sie fasziniert die Lesenden durch immer neu gefundene Bezüge zur Entwicklung des Tanzes. Man spürt beim Lesen ihre Leidenschaft für das Thema und ihre Arbeit führt zu neuen Erkenntnissen. Das Votum der Jury Votum war einstimmig.

Unser Glückwunsch geht an Jaska Gering!

Die Laudatorinnen
Margrit Bischof, Sabine Karoß und Christiana Rosenberg-Ahlhaus

Kasperowitsch © Holger Biermann

Preisträgerinnen gtf Forschungspreis 2022


In diesem Jahr waren es sogar zwei!

Es mag sein, dass das nach Unentschlossenheit klingt, vielleicht sogar nach fehlendem Mut, sich zu entscheiden. Aber dem ist nicht so. Wir hatten in diesem Jahr die besondere Situation, dass zwei der eingereichten Arbeiten in ihrer Themenwahl herausstachen. Beide befassen sich mit Tanz, der in speziellen politischen Situationen stattfindet oder fand. Bei der einen Arbeit geht es um Tanz im Iran, bei der anderen um die Frage, was vom Tanz in der ehemaligen DDR übrig blieb.

Uns erscheinen beide Themen so wichtig, dass wir auch beide Arbeiten würdigen wollen.

Wir freuen uns daher, heute den Forschungspreis der gtf an Johanna Kasperowitsch und an Antonia Gersch zu verleihen.  

Die Laudatorinnen
Margrit Bischof, Sabine Karoß und Christiana Rosenberg-Ahlhaus

Masterarbeit von Johanna Kasperowitsch
„In Beziehung treten – Zeitgenössischer Tanz im Iran“

Eingereicht wurde ihre Arbeit an der Freien Universität Berlin im Institut für Theaterwissenschaften. Die Arbeit wurde betreut und begutachtet von Frau Prof. Kirsten Maar und Frau Prof. Gabriele Brandstetter

Aus der Begründung der Jury:
"Johanna Kasperowitsch hat ihre Arbeit im Februar 2021 ab-gegeben, mitten in der Coronazeit, aber vor den aufwühlenden Ereignissen im Iran in diesem Jahr. Sie konnte damals nicht ahnen, dass im Moment die Blicke der Welt in großer Sorge in den Iran schauen, wo sich ein weiterer politischer Brandherd entwickelt hat. Ihre Arbeit ist also von großer politischer Aktualität.
Bereits 2021 war Tanz im Iran nur im Untergrund möglich. Denn seit 1979, seit der iranischen Revolution, ist Tanz dort verboten und gilt als unislamisch.

Johanna Kasperowitsch stellt jedoch nicht dieses Tanz-verbot und seine Konsequenzen in den Vordergrund ihrer Analysen. Sie fragt vielmehr nach den Strukturen innerhalb derer sich zeitgenössischer Tanz im Iran entwickeln konnte und kann. Wie wird Tanz dort medial verbreitet? Welche Möglichkeiten der Vermittlung gibt es trotz des Verbots? Gibt es im Iran eine Tanzszene? Gibt es eine Tanzpraxis, die unabhängig von Institutionen, sozusagen im Privaten oder halb-öffentlichen Raum entsteht?

Johanna Kasperowitsch beschreibt dieses Phänomen als eine relationale, kollaborative Praxis, als ein In-Beziehung-treten und dem gemeinsamen Schaffen einer Community. Zeitgenössischer Tanz im Iran ist nur möglich durch stän-diges, virtuoses Organisieren von Tanztreffen, durch ge-schickte Vernetzung über das Internet und leider auch durch das Eingehen von persönlichen Risiken.

Methodisch arbeitet die Studie mit Interviews, die über skype oder live mit sieben iranischen Tänzer*innen geführt wurden, und die der Autorin persönlich bekannt waren. Zudem arbeitet sie mit Filmmaterial und Notizen aus zahlreichen Kontakten in den letzten Jahren. Eine Reise in den Iran zu Forschungszwecken wurde durch die Covid-Pandemie unmöglich.

Diese Masterarbeit lenkt den Blick nicht nur auf Tanz in einem politisch zerrütteten Land, sondern analysiert auch, wie gesellschaftliche Umstände die tänzerische und choreo-grafische Arbeit beeinflussen. Sie diskutiert verschiedene theoretische Ansätze zum Zeitgenössischen Tanz und überzeugt durch die fundierte Kenntnis der Situation im Iran."


Wir gratulierten Johanna Kasperowitsch herzlich zum Forschungspreis der gtf!

Masterarbeit von Antonia Gersch 
„Was bleibt?“ Saša Asentić  & Collaborators Performance zwischen Historiografie und zeitgenössischer Praxis“

Eingereicht wurde ihre Arbeit ebenfalls an der Freien Universität Berlin im Institut für Theaterwissenschaften. Die Arbeit wurde betreut und begutachtet von Frau Prof. Kirsten Maar und Frau Prof. Gabriele Brandstetter.

Aus der Begründung der Jury:
"Die Masterarbeit von Antonia Gersch analysiert die von Saša Asentić  & Collaborators 2019 gezeigte Performance „Tanz in der DDR – Was bleibt?“ unter zwei Aspekten.

Im ersten Teil der Arbeit stehen theoretische Ansätze zum Themenfeld Tanzgeschichte und Geschichtsschreibung im Vordergrund. Anhand der Performance, die explizit Teile aus Dore Hoyers Affectos Humanos sowie Arila Siegerts Kentauren referiert, nimmt die Autorin Bezug zu wissenschaftlichen Ansätzen zu Fragen zum TanzErbe und zu ReKonstruktionen. Sie erweitert die Bezüge durch Verweise auf weitere Choreografien, die ebenso einen geschichtlichen Hintergrund aufweisen. Sie fragt sich, inwiefern vergangenes Bewegungsmaterial und historische Vermittlungsweisen aktuelle Praktiken beeinflussen.

Mit dieser Frage nach Zeitgenossenschaft setzt sich Antonia Gersch dann im zweiten Teil der Arbeit auseinander. Sie bezieht sich dabei auf zahlreiche theoretische Überlegungen zu Geschichte und Zeitlichkeit und nutzt den Begriff der zeitgenössischen Präsenz. Künstlerische Beiträge zur Tanzgeschichte stellen hier eine Form der „Wieder-Ver-gegenwärtigung“ dar, die ein gemeinsames, aktives Erinnern von Performer*innen und Publikum einfordern. Es geht in diesen Stücken nicht nur um Darstellung einer historischen Ästhetik, sondern um die wahrgenommene Verzahnung von Kunst, Gesellschaft und Politik, die über ein rein faktisches Geschichtswissen hinausweist.

Bezieht man sich auf die von Theorien u.a. von Ernst Bloch und Boris Buden, öffnet die Arbeit von Antonia Gersch den Blick auf das futuristische Potenzial von historischen Pro-duktionen. Sie verweisen nicht nur auf Vergangenes, viel-mehr treten Geschichtliches, Gegenwart und mögliche Zukunft in einen Dialog.

Diese Masterarbeit überzeugt durch die Fülle der referierten Ansätze und die kluge Verbindung der einzelnen Theorien zu einem schlüssigen Gesamtbild. Ebenfalls spannend zu lesen sind die differenzierten Analysen der gewählten Performances."


Wir gratulierten Antonia Gersch herzlich zum Forschungs-preis der gtf!
 

René Reith | Fotograf Francisco Vogel

Preisträger gtf Forschungspreis 2021


Die Gesellschaft für Tanzforschung verleiht den 3. gtf Forschungspreis für akademische Abschluss­arbeiten im Tanz an

René Reith

für seine Masterarbeit an der Stiftungsuniversität Hildesheim. Sein Thema lautet: 

Choreografien der (Nicht)-Sichtbarkeiten.
Interdependenzen zwischen Sehen und Bewegen in der Inszenierung „(In)SIGHT eine Begegnung mit (Nicht)Sichtbaren“ von systemrhizoma


Aus der Begründung der Jury:
"René Reith untersucht in seiner Arbeit die gegenseitigen Abhängigkeiten von Sehen, Gesehen-Werden und Nicht-Sehen im Tanz.

Bei einer Performance geht man üblicherweise davon aus, dass Zuschauer, Tänzer*innen und Mittänzer*innen einander sehen können. Anders ist dies in einem Projekt des Künstlerkollektivs „systemrhizoma“, zu dem auch Rene Reith gehört. Hier steht der Zusammenhang des Nichtsehens und Bewegens im Vordergrund.

Die Masterarbeit überzeugt zum einen durch ihre theoretische Verankerung im Bereich der Tanz- und Kulturwissenschaft, zum anderen durch die differenzierte empirisch-künstlerische Untersuchung der Forschungsfrage. Der Autor leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Theorie-Praxis-Transfer."

 

Ilja Mirsky ©Ken Werner

Preisträger gtf Forschungspreis 2020


Die Gesellschaft für Tanzforschung verleiht den 2. gtf Forschungspreis für akademische Abschluss­arbeiten im Tanz an

Ilja Mirsky

für seine Masterarbeit "(Bühnen-)Raum und (Bühnen-)Körper. Der Körper als Überträger von Informationen zwischen (virtuellen) Räumen",

Eingereicht wurde sie zur Erlangung des akademischen Grades „Master of Arts M.A. Performance Studies“ am Institut für Bewegungswissenschaft an der Universität Hamburg

Aus der Begründung der Jury:
"Mit der Anlage seiner Masterarbeit betritt Ilja Mirsky Neuland in Bezug auf die experimentelle Untersuchung des Zusammenhangs von Raum und Körper. Die Studie verlangt nicht nur eine gute theoretische Fundierung sondern auch technisches Wissen in Bezug auf die mögliche Umsetzung. Der innovative Ansatz der Arbeit stellt eine Bereicherung für die Tanzwissenschaft dar."
 

Preisträgerin des 1. gtf Forschungspreises


Die Gesellschaft für Tanzforschung verleiht den 1. gtf Forschungspreis für akademische Abschluss­arbeiten im Tanz an

Lina Höhne

für ihre Masterarbeit "Tanz als Mittel der Resozialisierung? – Eine ethnografische Studie in der Jugendstrafanstalt Berlin"

Eingereicht wurde sie zur Erlangung des akademischen Grades „Master of Arts M.A. Performance Studies“ an der Universität Hamburg

Abstract:
Lina Höhne setzt sich in ihrer MA Arbeit "Tanz als Mittel der Resozialisierung?" mit dem Potential des zeitgenössischen Tanzes als Arbeitsmethode mit jugendlichen männlichen Straftätern auseinander. Die Arbeit wirft damit einen Blick auf Tanz außerhalb der Kunstsphäre.

Der Fokus gilt einer sozial engagierten Vermittlungspraxis in ihrem Verhältnis zur Institution des Strafvollzuges. Hinterfragt wird, ob und wie Tanz als ein Mittel der Resozialisierung im Jugendstrafvollzug eingesetzt werden kann.

Diese Studie stellt in ihrem Inhalt ein in der Tanzwissenschaft bislang wenig erforschtes Feld dar und kann somit als grundlegende Studie für weitere Forschungen betrachtet werden.